Unternehmen

Europaministerin Lucia Puttrich besucht Merz Pharma GmbH in Frankfurt

Unternehmensgespräch über EU-Richtlinie gegen Medikamentenfälschungen und Auswirkungen des Brexits auf die Pharmabranche.

Die Hessische Europaministerin Lucia Puttrich hat am Freitag die Merz Pharma GmbH in Frankfurt besucht. Der Besuch gehört zu einer Reihe von Unternehmensgesprächen der Ministerin mit europapolitischem Hintergrund. „Die Rahmenbedingungen für unsere Wirtschaft werden maßgeblich durch die Europäische Union bestimmt. Deshalb ist für mich der Austausch mit hessischen Unternehmen so wichtig, damit ich als Europaministerin diese Themen in Brüssel bestmöglich vertreten kann“, sagt Puttrich.

Als Beispiel diskutierten Ministerin und Geschäftsführung die EU-Fälschungsschutzrichtlinie aus dem Jahr 2016. Sie schreibt vor, dass ab Februar 2019 verschreibungspflichtige Medikamente nur noch in Verpackungen mit Seriennummer und einem Siegel verkauft werden dürfen, das dem Kunden beweist, dass die Verpackung ungeöffnet ist. Jedes EU-Mitgliedsland baut dazu ein eigenes nationales Prüfsystem auf, die Daten werden in einem EU-weiten Netzwerk ausgetauscht. „Was den Verbraucher vor gefährlichen Arzneimittelfälschungen schützen soll, stellt Pharmaunternehmen, Lieferanten und Apotheken vor große Herausforderungen“, sagte Puttrich. Merz müsse seine Hard- und Software aufwändig aufrüsten, damit Arzneimittel auch künftig rechtzeitig zur Verfügung stehen und deren Seriennummern weitergemeldet werden könnten, bestätigte Dr. Stefan Albrecht, Chief Scientific Officer bei Merz. „Die Zukunft wird zeigen, wie robust die Vernetzung der IT-Systeme innerhalb der EU sein wird und wie gut die Verifizierung der Arzneimittel bei den Apotheken und in den Kliniken funktioniert.“

Der Brexit im nächsten Jahr wird die hessische Wirtschaft nach Einschätzung der Hessischen Europaministerin vor erhebliche Herausforderungen stellen. Die Unternehmensführungen müssten deshalb bei ihren Planungen verstärkt auch einen harten Brexit berücksichtigen, rät Lucia Puttrich: „Die Gefahr, dass Großbritannien die EU ohne Übergangsfristen und Anschlussabkommen verlässt, wird immer größer, weil wichtige Fragen nach wie vor ungeklärt sind. Die Gespräche sollen zwar jetzt intensiviert werden, aber die Zeit wird knapp.“ Und selbst wenn eine Einigung gelinge, würden sich die künftigen Handelsbeziehungen sicher schwieriger als jetzt gestalten, so die Ministerin.

Die Pharmabranche stehe vor besonderen Herausforderungen, weil Großbritannien für den europäischen Markt eine herausgehobene Rolle spielt, sagte Lucia Puttrich weiter. Grund ist unter anderem, dass die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) bislang in London angesiedelt ist. Zum Beispiel wird die Hälfte aller klinischen Studien für innovative Medikamente in Großbritannien durchgeführt. „Der Brexit könnte die Zulassungen von Arzneimitteln und Medizinprodukten in Europa gefährden, denn das Vereinigte Königreich schert aus dem einheitlichen EU-Zulassungsverfahren aus“, sagte Stefan Brinkmann, Geschäftsführer Merz Pharmaceuticals und Leiter der Region EMEA (Europa, Naher Osten und Afrika). „Bei einem harten Brexit besteht das Risiko, dass es keine gegenseitige Anerkennung der Standards mehr gibt. Wir hoffen aber, dass die Besonnenheit siegt und im Sinne der Patientenversorgung pragmatische Lösungen gefunden werden, sodass das britische Zulassungsverfahren eng an das EU-Verfahren angelehnt bleibt.“

Ein weiterer Diskussionspunkt war die derzeitige Versorgungssituation von Patienten mit einer spastischen Bewegungsstörung. „Bei der Versorgung von Menschen mit einer Spastik sind teilweise erhebliche Defizite zu verzeichnen, obwohl die Grundsätze für die den Patienten zustehende Therapie anhand von Leitlinien klar feststehen“, sagte Martin Katzenmeyer, Leiter Health Care Relations bei Merz. Um Betroffenen mehr Gehör zu verschaffen, hat Merz vor zwei Jahren die Initiative „Fokus Spastik“ ins Leben gerufen (http://fokus-spastik.de). Staatsministerin Puttrich diskutierte mit den verantwortlichen Mitarbeitern von Merz, wie die Behandlungswege der Patienten derzeit verlaufen und welche Möglichkeiten es gibt, frühzeitiger die richtige Therapie zur Behandlung der Spastik einzuleiten.

Hintergrund

Großbritannien ist gemessen am Handelsvolumen der fünftwichtigste Partner der hessischen Wirtschaft. 2017 wurden Waren im Wert von 4,1 Milliarden Euro aus Hessen nach Großbritannien exportiert und Güter für 3,7 Milliarden Euro importiert. Unter den einzelnen Branchen belegt der Pharmabereich auf Platz 2: 2017 wurden chemische und pharmazeutische Produkte für 783 Millionen Euro nach Großbritannien Exportiert und Produkte im Wert von einer Milliarde Euro importiert.

 

 

Über Merz
Merz wurde 1908 gegründet und ist bis heute in Privatbesitz. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 3.100 Mitarbeiter und hat 34 Tochtergesellschaften in 28 Ländern und Vertriebspartner in mehr als hundert Ländern. Die Unternehmenszentrale ist in Frankfurt. Der Jahresumsatz betrug im Geschäftsjahr 2016/17 rund eine Milliarde Euro. Schwerpunkte sind die Geschäftsbereiche Ästhetik und Spezialneurologie. Hier entwickelt das Unternehmen Therapielösungen für Patienten, die an neurologisch bedingten Bewegungsstörungen leiden.

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